Geschichte

Die Geschichte Günzlhofens von 793 bis zum Abbruch des Schlosses um 1850

In Bayern regierte bis zum Ende des 8. Jahrhunderts das Geschlecht der Agilolfinger, welche als Herzöge den einzelnen Gauen vorstanden, deren Gewalt aber der eines Königs gleich kam. Der letzte AgilolfingerHerzog Tassilo lll, wurde im Jahre 788 von Karl dem Großen gezwungen, das Land Bayern als Lehen zu empfangen und verstarb ein Jahr später, anno 789. In dem riesigen, fränkischen Reich Karls des Großen kam die lokale Gewalt immer mehr in die Hände der einzelnen Grafen, die ihrerseits wiederum Lehensträger, sogenannte Ministralen in ihre Besitzungen einsetzten. Dieselben waren vorerst unfreie Dienstmannen, die dann aber in den Ritterstand erhoben wurden. Die Lehensbriefe und andere Urkunden sind die wichtigsten Geschichtsquellen aus denen sich die Schicksale alter, einzelner Orte erforschen lässt.

Zum ersten Mal taucht der Name „Cundinchofa“ in der Urkunde des Freisinger Traditionsbuches unter Bischof Atto (793 – 811) auf. Im Jahr 793 n. Chr. übereignete die Edle Wolfswind ihren Besitz in Cundinchofa an den Bischof Atto von Freising (siehe Urkunde mit Übersetzungstext). Im selben Jahr unternahm Karl der Große den ersten Versuch, mit der Fossa Carolina eine Verbindung von Rhein und Donau herzustellen. Es sollte 1200 Jahre dauern, bis die Wasserstraße komplett ausgebaut und ihrer Bestimmung übergeben werden konnte.

In einer weiteren Schenkungs-Urkunde von 10. Juni 829 wird Günzlhofen nochmals erwähnt. Der Edle Isaac verschenkt seinen elterlichen Besitz zu Günzlhofen (Cundinchofun). Die beiden erwähnten Urkunden sind im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zu München aufbewahrt.

Ca. 1065-1100: Die „nobilis femina Bertha“ Gemahlin des herzoglichen Ministerialen Adalpert de Otingen, tauscht vom Kloster Wessobrunn Güter zu Günzlhofen ein. Diese dürften dann im 12. Jahrhundert an die Günzlhofener gekommen sein.

Mit einem 1172/73 als Zeugen bei einer Gut Übergabe des Grafen Arnold lll. von Dachau genannten “ Gotefrit de Gunzelhofen “ tritt erstmals eine nach diesem Orte sich nennende Familie in Erscheinung, die sich dann urkundlich bis zum Ende des vierzehnten Jahrhunderts verfolgen lässt. Zwischen 1183/90 ist ein „Baldmarus miles de Gunzelhoven“ mit seinem Bruder Chounrad belegt. Um 1240 sind die Brüder Chunradus, Baldemarus u. H. als Zeugen im Gefolge des Herzogs von Andechs-Meranien genannt. 1284 und 1289 schenkte Friedrich von Günzlhofen Besitz in diesem Dorfe an das Kloster Fürstenfeld. Ludwig ll. siegelte eine Urkunde am 11. Juli 1280, worin Friedrich von Günzlhofen dem Kloster Fürstenfeld alle seine Güter in Günzlhofen, gleich, ob Eigen oder Lehen, mit Ausnahme eines Ackers neben der Kirche mit Genehmigung des Herzog schenkte. Am 18. April 1284 gibt Friedrich den Acker an der Kirche in Günzlhofen dem Kloster als Seelgerät unter der Bedingung, dass man ihn im Kloster begraben sollte, falls er im Herzogtum oder nicht weiter als zehn Meilen außerhalb desselben sterben sollte.

Am 13. Dezember 1289 taucht nochmals der Ministeriale Friedrich von Günzlhofen auf. Er schenkt mit Zustimmung des Herzogs seine Eigengüter in Günzlhofen, außer einen Teil des „Sedelhofes“ an das Kloster. Diesen Teil des Sedelhofes, drei Höfe und eine Hube in Hanshofen, die alle herzogliche Lehen waren, gab Friedrich zuerst an den Herzog zurück, der nun seinerseits zu seinen und seiner Vorfahren Seelenheil diese Güter in das Eigentum des Klosters übergab. Zugleich verzichtete der Bruder des Friedrich, Konrad von Günzlhofen, auf sein Recht an diesen Gütern. In derselben Urkunde bestätigt Ludwig Il., dass das Kloster diesen aufgeführten Sedelhof mit dem Vetter des Friedrich, Paldmar von Günzlhofen, gegen eine Hube in Mammendorf, einem Eigen des Paldmar, und nach Verzicht des Paldmar dem Kloster ins Eigentum übertrug, getauscht hatte.

Das Ortsgeschlecht der Gunzilhover wird in den Schäftlarner, Indersdorfer und Fürstenfelder Urkunden erwähnt, vor allem Ritter Friedrich und Gemahling Wilburg (1287).

Für die Zeit von 1400 bis Ende des 15. Jahrhunderts, also fast 200 Jahre haben die Hofmarksherren des Geschlechts der „Perwanger“ in Günzlhofen residiert. Die Familienchronik der Perwanger wird in einem eigenen, anschließenden Aufsatz von Toni Drexler erzählt.

In alten Zeiten, mindestens aber schon im 14. Jahrhundert vermittelten drei Straßenzüge den Verkehr zwischen München und Augsburg, der eine über Dachau, der andere über Bruck und der dritte über Kissing, Vogach, Schweinbach (= Unterschweinbach), Maisach, Esting, Aubing und Pasing. In der Eingabe an Herzog Wilhelm vom Jahre 1579 heißt es, diese drei Wege und Straßen seien vor vielen hundert Jahren durch die Alten wohlbedächtig verordnet worden und zwar in folgender Weise: “ Die Weinwägen und Zentnergüter mussten über Friedberg, Eurasburg, Odelzhausen und Dachau gen München geführt werden, weil der Reichtum an Waldungen in jener Gegend eine fortwährende Instandhaltung der Straße (sie war also ein mit Stangen belegter Prügelweg) sehr erleichterte.

Geschichte Günzlhofen

Der „Hufschlag“, nicht aber eine eigene Landstraße ging über Degernbach, Mittelstetten, Günzlhofen und Bruck gen München. Diese Strecke war ein Weg für Saumrosse und Reiter, zu schmal für Wagen und Viehtrieb, und diente deshalb hauptsächlich dem Personenverkehr mit Saumrossen.

Der „Gangsteig“ der Schweine- und Viehtrieb, ging über Vogach, Schweinbach, Stephansberg, Maisach und Esting. Sehr umfangreich war der Verkehr mit Salz zwischen München und Augsburg. Die Salzstraße teilte sich bei Sirchenried, eine verlief über Dachau, Maisach, Unterschweinbach, Vogach, die andere über Bruck, Mammendorf, Günzlhofen und Mittelstetten.

Die alten Straßenzüge von München nach Augsburg

Aus dem Jahre 1556 ist bekannt, daß es zwischen Günzlhofen und Hattenhofen einen Streit gab wegen des Blumenbesuchs. Blumenbesuch war die Viehweide, die von allen Bauern eines Dorfes gemeinsam betrieben wurde. Für jede Tierart gab es einen eigenen Hüter. Die Sauhüter von Günzhofen und Hattenhofen trieben ihre Tiere natürlich in die Eichenwälder zwischen beiden Dorfgemarkungen. So geschah es, dass die Schweine beider Orte beim „Dechselbesuch“ (so hieß die Sauweide) gelegentlich durcheinander gerieten und verwechselt wurden. Schließlich mussten die Hattenhofener Schweine mit aufgemaschelten Schwänzen (d.h. mit Schleifchen versehen) gekennzeichnet werden. Dieser Streit zog sich hin bis zum Jahre 1848. Das ergab natürlich viel Gelächter rundrum.

Aber auch die materielle Seite soll nicht verschwiegen werden (dem heutigen Steuerzahler zum Trost), nämlich das seit dem Mittelalter eingeführte Lehenswesen. Der sogenannte „Zehent“ war der zehnte Teil der geernteten Naturalien. So musste der untergebene Höfler, Gütler oder Söldner beim Getreidezehent die zehnte Garbe, beim Kleinzehent den zehnten Krautkopf, Apfel oder Birne und beim Blutzehent die zehnte Gans, Ente, Henne oder Hahn, auch Ferkel dem Zehentherrn, also dem Grundherrn abgeben.

Im übrigen aber gelang es der Landesherrschaft in unserem Raum, das sogenannte Leibgeld für alle mit eigenem Rauch (eigenen Haushalt) Ansässigen an sich zu ziehen, und dies nicht nur in den landgerichtischen Orten, sondern auch in den meisten hofmärkischen Siedlungen. Dieses ab 1587 nachweisbare Leibgeld in Höhe von 6 dl (Pfennig) wurde von den jeweiligen landgerichtlichen Kastnern eingehoben. Zu diesem Zweck legten die Kastner sogenannte Leibgeldregister an. Auch die Hausväter in den Hofmarken, Bruck, Maisach, Egenhofen, Nannhofen, Vogach, Günzlhofen und Oberschweinbach mussten ihr Leibgeld an den Dachauer Kastner entrichten.

Der dreißigjährige Krieg, vom Volk gewöhnlich der Schwedenkrieg genannt, diese furchtbare Folgen der Reformation, bildet einen der trübsten Abschnitte in der Geschichte unseres weiteren Heimatlandes. Am 7. Juni 1632 verließ der Schwedenkönig mit seiner Armee die Hauptstadt Bayerns. Mit ihm gingen 32 angesehene Männer der Stadt, geistlichen und weltlichen Standes, darunter 2 Conventualen des Klosters Fürstenfeld, als Geiseln. Der Marsch ging nach Augsburg, wo eine bedeutende schwedische Besatzung in der auf Betreiben des Königs stark befestigten Stadt zurückblieb, und von da nach Donauwörth, wo er am 10. Juni ankam. Die Geiseln, welche am ersten Tag auf einem Schloss des Herrn Jeronymus von Imhof mutmaßlich in Günzlhofen einlogiert wurden, fanden auf dem Wege bis dahin die Ortschaften verbrannt und Leichen von Bauern am Wege liegen.

Im Jahre 1740 waren durch den spanischen Erbfolgekrieg mit den Einfällen der Engländer schwere Jahre des Schreckens und Leidens angebrochen. Zu diesem Krieg ist zu berichten (das ist keine Sage), dass der Warnungsläufer, der Hüterbub von Unterschweinbach, als er die Engländer kommen sah, durch die ganze Gegend lief, die Glocken läutete und rief „die Schotten kommen“, bis er auf dem Heimweg beim Günzlhofener Maibaum tot zusammenbrach.

Errichtung des königlichen Landgerichtes Bruck: Durch allerhöchste Entschließung vom 29. Oktober 1823 haben seine Majestät der König zu genehmigen geruht, dass mit Rücksicht auf die große Ausdehnung der Landgerichtsbezirke von Landsberg und Dachau zur Erleichterung und Beförderung der Amtsgeschäfte einige Bestandteile der ebengenannten Bezirke von denselben zu trennen seien, und dass hieraus ein besonderes Landgericht zu bilden sei, welches im Markt Bruck seien Sitz haben sollte. Dieses neue königliche Landgericht Bruck erhielt hiernach ursprünglich zugeteilt, gleich wie das neue Rentamt: Vom Landgericht Dachau das vormalige Gebiet Mammendorf, mit Ausnahme von Einspach, das sind die Steuerdistrikte: Olching, Aufkirchen, Hattenhofen, Günzlhofen usw., mit 6035 Seelen, so dass die Gesamtseelenzahl 11633 betrug.

Im Bereich des heutigen Landkreises wurden eine ganze Reihe von Patrimonialgerichten ll. Klasse gebildet, die auch bis 1848 bestanden. Die streitige und freiwillige Gerichtsbarkeit erhielten allerdings nur Grunertshofen und Günzlhofen.

Karl Ignaz Bierdimpfl, nun Besitzer des Schlosses, übergab 1830 den im Schloss eingemauerten römischen Meilenstein an das National Museum in München (genauere Informationen in Vor- und Frühgeschichte von Toni Drexler).

Dem letzten bürgerlichen Besitzer des Schlosses, Josef Giggenbach, brannte 1849 das Gebäude fast vollständig ab. Der Rest wurde abgebrochen und die dazugehörigen Grundstücke verkauft. Das Hofrnarkschloss, das Michael Wening (1701) als stattliches Gebäude zeigt und mit ungewöhnlich dicken Hauptmauern und starken Grundfesten bezeichnet, stand ungefähr am Platz der alten Schule. Der Bauernhof in der Nähe heißt heute noch „Der Schloßbaur“.

Chronik abgeschrieben aus der Festschrift „1200 Jahrfeier Günzlhofen“

Verfasst: Ostermeier Franz
Bearbeitet: Baumann Karl
Internetbearbeitung: Brodkorb Monika April 2005